Archiv für den Monat: April 2009

Mit Netvibes Lernumgebungen gestalten

Aktuell erarbeite ich einen Lernpfad für die Lehrerfortbildung zur Gestaltung von Lernumgebungen mit Netvibes und bin wieder einmal absolut begeistert von den Möglichkeiten, die solche personalisierbaren Homepage-Dienste leisten.

„Founded by Tariq Krim in 2005, Netvibes pioneered the personalized homepage as alternative to traditional web portals. Netvibes lets individuals assemble their favorite widgets, websites, blogs, email accounts, social networks, search engines, instant messengers, photos, videos, podcasts, and everything else they enjoy on the web – all in one place.“ (http://about.netvibes.com)

Mit Hilfe sogenannter Widgets (kleine Ajax basierte Applikationen, die in skalierbaren Rechtecken angezeigt werden), lassen sich per Drag and Drop unterschiedlichste Dienste auf persönlich gestaltbare Webseiten ziehen und sehr einfach konfigurieren. Häufig verwendete Widgets sind z.B. Webnotiz, Checkliste, Kalender, Mail, RSS-Feeds, HTML-Block (damit können z.B. beliebige Webseiten, Videos, Bilder und Podcasts unterschiedlicher Anbieter eingebunden, angezeigt bzw. abgespielt werden) und Nachrichtendienste. Zudem kann man nach dem Login nicht nur eine Webseite, sondern über das Anlegen von Reitern (Tabs) eine ganze Reihe von Webseiten gestalten und über die Veröffentlichungsfunktion über eine eigene URL KollegInnen und SchülerInnen zur Verfügung stellen: Die ideale Möglichkeit, um  Lernumgebungen für den Unterricht vorzubereiten bzw. mit den SchülerInnen persönliche Lernumgebungen (kurz auch PLE = Personal Learning Environment) zu gestalten.

Veröffentlichte Seiten (auch Universe genannt) und verfügbare Widgets (aktuell 180617) lassen sich über das Netvibes Ecosystem recherchieren. Meine öffentlichen Netvibes-Seite, die ich speziell für den Lernpfad gestaltet wird, ist hier erreichbar.

Wie könnten solche Seiten/Universes methodisch für den Unterricht genützt werden? Ein paar Ideen:

  • Stationenlernen: Tabs sind die Stationen und die SchülerInnen müssen die Stationen mit Material und Aufgabenstellungen durchlaufen
  • Begleitmaterial/Präsentationsmaterial für Referate: SchülerInnen erstellen zu ihrem Referat eine öffentliche Netvibes-Seite, mittels der die Präsentation (z.B. via Slideshare) oder Zusammenfassungen/Skripte (z.B. via Scribd) auf einer Webseite zur Verfügung gestellt und ggf. durch weitere Ressourcen (Webseiten, Nachrichten, Podcasts, Vidoes) ergänzt werden.
  • Hilfe-Seiten für Freiarbeitsphasen, Wochenplanunterricht, selbstgesteuertes Lernen: Es lassen sich Tutorials, unterstützendes Material, Hilfestellungen vorbereitend vom Lehrer oder MitschülerInnen flankierend für Unterricht und Hausaufgaben bereitstellen und (ggf. auch nur über 1-2 PCs im Klassenzimmer) nutzen.
  • Lernumgebungen zur individuellen Förderung: SchülerInnen richten mit Unterstützung der Lehrkraft ihre PLE für den Fachunterricht ein. Die Lehrkraft kann Tipps für geeignetes Förder-, Übungs- oder Spielmaterial über ihre öffentliche Seite geben; die entsprechenden Tabs/Widgets können dann von den SchülerInnen über einen Klick in Ihre persönliche Lernumgebung übernommen werden. So lassen sich z.B. Online-Übungen, Online-Tests, Online-Spiele u.v.a.m. zur individuellen Förderung für SchülerInnen zusammenstellen. Hierzu benötigen LehrerInnen dann Infos zu frei verfügbaren Online-Schätzen wie z.B. der Seite und Übungsanwendung von Arndt Brünner zum Trainieren der Polynomdivision. Einfach genial!
  • … ?

In 10 Jahren spricht niemand mehr über die heutigen Lernplattformen

Diese These findet sich unter 9 weiteren in einem Beitrag von Werner Hartmann (PH Bern) in der Zeitschrift Folio für Lehrkräfte in der Berufsbildung  (Ausgabe 6/08).  Auf diese Quelle bin ich über ein Posting von Visvanath Ratnaweera im Pädagogischen Forum von moodle.org gestoßen.

Hartmanns 10 Thesen, die er u. a. auf den BECTA Summary Report September 2008 und den Horizon Report 2008 gründet, lauten:

1. In wenigen Jahren ist das Internet die Festplatte.
2. In wenigen Jahren kommen die meisten Programme aus der „Steckdose“.
3. In zehn Jahren spricht niemand mehr von den heutigen Lernplattformen.
4. Notebooks in Schulen sind in fünf bis zehn Jahren Alltag.
5. Schulen ans Netz? In wenigen Jahren sind alle Schülerinnen und Schüler permanent im Netz.
6. Die Informationsbeschaffung wird sich nochmals massiv verändern.
7. In wenigen Jahren ist die Wikipedia allgemein akzeptiert.
8. Die Schule der Zukunft wird weniger textlastig sein.
9. Gedruckte lehrmittel sind zu teuer und werden durch elektronische abgelöst.
10. Es geht alles viel schneller, als man denkt. Aber vieles bleibt auch beim Alten.

Ich halte diesen Artikel in jedem Fall für lesenswert, auch wenn einige dieser Thesen nicht wirklich neu oder überraschend sind. Natürlich lassen solche Statements wie die These Nr. 3 aufhorchen, insbesondere da wir uns momentan intensiv mit Schulungs- und Unterstützungsmaßnahmen zur Integration von Moodle in oder begleitend zum Unterricht beschäftigen und uns momentan nicht vorstellen können oder wollen, dass in einigen Jahren niemand mehr von Moodle spricht…