Präsenzlehre versus E-Learning

Sind Sie schon einmal mit Ihrer Lehrveranstaltung gegen eine instruktive Lernsoftware angetreten?
Für mich war diese Erfahrung innerhalb des von mir angebotenen Wahlkurses zur Vorbereitung auf die ECDL-Modulprüfungen neu. Die SchülerInnen können innerhalb des Wahlkurses (Ablauf bzw. Lehrkonzept wurde in vorhergehendem Eintrag aufgezeigt) in den ersten 30 Minuten zwischen einer Präsenzlehreinheit oder dem selben Stoff via E-Learning-Software entscheiden. Selbst wenn Ihnen nach kurzer Zeit die Lehreinheit nicht zielführend, effizient, langweilig etc. erscheint, können Sie einfach wieder zu ihren Rechnern im Nebenraum gehen und dort mit Ihrem E-Learning-Programm weiter arbeiten.

Mir wurde bewusst, dass hier eine neue Situation gegenüber der mir vertrauten vormittäglichen Unterrichtssituation gegeben war. Zum ersten – sicherlich auch aufgrund des Reizes, sich mit dem E-Learning zu beschäftigen ;-) – kamen (wie von mir zur freien Entscheidung motiviert) nicht alle SchülerInnen zu mir in den Nebenraum. Zum zweiten merkte ich – nachdem einige SchülerInnen nach 4-5 Minuten, zuerst vorsichtig anfragend, dann jedoch auch spontaner meine Lehreinheit verlassen hatten – dass ich neben der Informationsvermittlung noch etwas Anderes, einen Mehrwert gegenüber dem E-Learning bieten musste. Immerhin blieb ein Grüppchen von SchülerInnen bei mir und wir unterhielten uns anhand zweier geöffneter PCs über die Grundlagen der Hardware (Modul 1 – Grundlagen der Informationstechnologie). Einmal gab es also etwas Haptisches, da wir einige Bauteile ausbauten und begutachteten. Weiter wurde nicht nur von mir instruiert, sondern es entwickelte sich teilweise ein Gespräch auch unter SchülerInnen, die ihre Erfahrungen und Ihr Wissen zusammentrugen. Trotzdem merkte ich, dass die Lehreinheit kurzweilig bleiben musste, dass immer wieder neue, interessante Aspekte zur Sprache kommen mussten, ggf. in persönliche Erfahrungen, Geschichten verpackt. Die SchülerInnen machten so ca. 20 Minuten gut mit. Dann – obwohl noch manches zu besprechen gewesen wäre – war es genug der Information, wie ich an ihren Gesichtern merkte. Sie wollten rüber, um nun mit Übungen, Vertiefungen, Kurztests etc. weitermachen zu können…

Trotzdem die Erfahrung zunächst etwas befremdend für mich war (obwohl ich sie selbst durch mein Unterrichtskonzept  geschaffen hatte),  erlebe ich sie für die zukünftigen Veranstaltungen als sehr, sehr lehrreich. Was, so stellt sich mir die Frage im Hinblick auf die kommenden Sitzungen, charakterisiert meine freiwillig zu besuchende Lehrveranstaltung im Gegensatz zur E-Learning-Software und lässt sie als effizient, als ansprechend und als lehrreich erfahrbar werden? Momentan kommen mir unsortierte Stichworte wie Sozialer Kontext, Narrativer Anker, Überblickswissen, Lernen von Peers, Unterhaltung, spielerischer Zugang, und und und. Welche dieser Aspekte aber für meine Lehreinheiten charakteristisch werden sollen, wird sich noch zeigen müssen. Und ich hoffe, oder besser gesagt, ich bin mir fast sicher, dass meine SchülerInnen mir durch Ihr Verhalten zeigen werden, in welche Richtung ich zu gehen habe. Spannend!